Claudia Kiefer „Gezeiten“ am 15.03.2024

Ein Gewitter naht mit tiefem Grollen und schnell wird noch die getrocknete Wäsche von der Leine abgenommen. Einen hell leuchtenden Mond platziert Claudia Kiefer vor sich auf dem Tisch und eröffnet so die Lesung aus ihrem Lyrikdebüt „Gezeiten“.

Gut 50 Menschen kamen im Gemeindesaal der evangelischen Lukasgemeinde auf dem Boxberg zusammen, um dem Programm zu lauschen. Claudia Kiefer verlas Lyrik und Prosastücke aus ihrem Erstlingswerk. Dazu spielte der Singer-Songwriter Joachim Coch eigens komponierte Stücke wie „Flixbusstation“, „Chillen am Baggersee“ oder „Sterne über Berlin“ und Coversongs wie die Ohrwürmer „Do kanns zaubere“ und „Life is wonderful“. Im Laufe des Abends ging es um „arme Poeten“, „Verortungen“, „Flucht“, das „Warten“, und den Frühling, eben die Gezeiten des Lebens.

Die Autorin stammt aus Stendal, der Musiker aus Köln, beide leben seit über 20 Jahren in Heidelberg und sind Kolleg*innen beim Springer-Verlag Heidelberg.

Die Gäste des Abends kamen von nah und fern, aus Frankfurt, Aichach, Heidelberg und Umgebung sowie natürlich aus der direkten Nachbarschaft der Bergstadtteile Emmertsgrund und Boxberg.

Zum Abschluss traten Joachim Coch, Mika Barton, Claudia Kiefer und Jörg M. Hartmann (alles Künstler*innen, die an den vergangenen drei Frühjahrslesungen teilgenommen hatten) mit dem Publikum in einen Dialog über das Kreativsein im Heute und ließen den Abend mit den Gedanken an die eigene Kreativität ausklingen.

Die Reihe „literatur auf dem boxberg“ wird von Mika Barton und dem ehrenamtlichen Team des Stadtteilvereins organisiert, mit freundlicher Unterstützung der Stadt Heidelberg. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten und an die Lukasgemeinde, die ihre schöne Kirche u.a. für Lesungen öffnet.

Mehr von Joachim Coch: cochstudiosongs.com.

Bestellmöglichkeit des Buchs beim Prosodia Verlag.

Foto: Daniela Herbst

Jörg M. Hartmann „Mecca Mall – Flanieren in Amman“ am 22.02.2024

Trotz stürmischen Wetters fanden sich am Donnerstagabend über 50 Literaturbegeisterte im Saal der evangelischen Lukasgemeinde ein, um an einem besonderen Abend teilzunehmen: der Buchpremiere von Jörg Martin Hartmanns „Mecca Mall – Flanieren in Amman. Während der Autor ausgewählte Kapitel aus seinem Buch vorlas, leuchteten hinter ihm großformatige Bildprojektionen. Diese Aufnahmen erweckten die Straßen und Einkaufszentren Ammans zum Leben und stammten vom Fotografen und Grafiker Mircea W. Gutu, der ebenfalls für die Lesung angereist war. Abgerundet wurde die Atmosphäre wurde durch die orientalisch angehauchten Beats von DJ Big Franky. Sie verwoben Darbuka-Rhythmen und sanfte Oud-Melodien mit elektronischen Beats und schlugen so eine Brücke zwischen Tradition und Moderne.

Das Entstehungsprinzip hinter allen Texten war das „Flanieren“, also das ziellose Umherwandern und offen sein für die hereinströmenden Reize. Während seines Aufenthalts in Amman hatte der Autor mit jedem Schritt flüchtige Gedanken und Impressionen in sein Handy getippt. Eine Flut von Gefühlen und Gedanken, von tiefer Bewunderung bis zu nachdenklicher Reflexion über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen seiner Heimat und der ihn staunend machenden arabischen Welt. Manchmal seufzte das Publikum, manchmal lachte es herzlich über die Eigentümlichkeiten der Interkulturalität.

Das Flanieren wurde im Lauf des magischen Abends zu einer Metapher für das Leben selbst erklärt. So war im Foyer eine Besucherin zu hören, die zu ihrer Begleitung meinte, dass das Ziel oft nicht im Erreichen eines bestimmten Ortes liege, sondern in den Erfahrungen und Einsichten, die wir auf unserer Reise sammeln.

Zu Beginn des zweiten Teils der Lesung nahm Mircea W. Gutu, der auch für das Layout des Buches verantwortlich war, den Gedanken des Flanierens wieder auf. In einem Werkstattgespräch berichtete er, wie ihm das Flanieren, nicht nur Inhalt, sondern auch Inspirationsquelle für die kunstvolle Gestaltung des Buchlayouts und seiner Designelemente wurde.

Visuelle Kunst, Musik und Lesung schufen an diesem Abend eine Erfahrung, die die Besucher in Berührung brachte mit der Energie der jordanischen Hauptstadt. Die zweistündige immersive Erfahrung fand ihren Ausklang, als Jörg Hartmann im letzten Text seine Rückkehr thematisierte, wodurch auch die Anwesenden wieder in ihre Realität des deutschen Winters zurückgeführt wurden. Mitten im deutschen Winter eine literarische Reise durch die Hauptstadt Jordaniens. „Ich habe Dir gerne meine Augen geliehen“ lautete der Schlusssatz des Buches und der Lesung. Er hallte nach, während DJ Big Franky die Intensität seiner Beats sanft herunterfuhr und so den Abend in einer Atmosphäre der heiteren Verbundenheit und des Nachdenkens zugleich ausklingen ließ.

„Buchpremiere Mecca Mall – Flanieren in Amman“ – Artikel in der Em-Box, Ausgabe 111, April 2024

Die Beats zur Reise von DJ Big Franky und Videos des Abends

Literatur auf dem Boxberg am 26.10.2023

„Feuerkreis, dreh dich!“ und die unmögliche Liebe zu einem Automaten

Jörg Hartmann und Mika Barton haben mit ihrer Interpretation der Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann das Geschichtenerzählen in den dunklen Herbstwochen mit einem Nachtstück eröffnet. Stimmungsvoll begleitet von Musikern der Banda di Mayo entführten sie die Zuschauenden für zwei Stunden gekonnt in eine dunkle, geheimnisvolle Welt.
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Foto: Judith Danzinger