Harry Martinsons „Aniara – Eine Revue vom Menschen in Zeit und Raum“ am 24.04.2026

Ein Werk, das den Tautropfen einfängt und das Weltall spiegelt.

1956 schrieb Harry Martinson in Schweden das Science-Fiction-Epos „Aniara“ mit seinen 103 Versen. Aniara, was übersetzt ‚ohne Nickel und Argon‘ bedeutet, also ohne Verbindung zur Erde und zur Luft, ist der Name eines Raumschiffs, das 8.000 Menschen mit all ihren Hoffnungen, Erinnerungen und Träumen von der verseuchten Erde zum Mars bringen soll. Aber bereits kurz nach dem Start havariert das Schiff, wobei die Lenkung zerstört wird. Von da an fliegt Aniara steuerungsunfähig in Richtung des Sternbilds Leier.

Die Menschen an Bord, die zuvor schon ihre Hoffnung auf eine Zukunft auf der Erde aufgeben mussten, beginnen zu verstehen, dass sie niemals ihr Ziel, den rettenden Mars erreichen werden. Sie sind zwar am Leben und haben an Bord des Raumschiffs alles, was sie brauchen. Sie erleben aber auch die Zerstörung der Erde mit, die sie ohne Hoffnung auf Rettung in der Dunkelheit des Weltalls zurücklässt.

Seinerzeit sogar als Oper aufgeführt, ist „Aniara“ heute in Deutschland nahezu unbekannt. Harry Martinson ebenso, auch wenn er für dieses Werk den Literaturnobelpreis erhielt. Ein Grund mehr, die Geschichte wieder herauszuholen und vorzutragen, due heute aktueller denn je ist. Und so luden Mika Barton und seine musikalische Reisebegleitung am 24. April 2026 in den Blickpunkt Boxberg. Auf gut zwei Stunden komprimiert konnte das Publikum die Reise des Raumschiffs Aniara miterleben.

Singer-Songwriter Joachim Coch (Gitarre und Gesang) und Laura Fortuna Barton (Gesang) webten einen Klangteppich aus emotional und thematisch passenden Liedern mit eindrücklichem Gesang, auf dem Mika Barton mit gut 30 ausgewählten Versen die Geschichte vorantrieb.

Martinson, ursprünglich Naturlyriker und Autor von Reiseberichten, wandelte sich unter den Eindrücken des Zweiten Weltkriegs und der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zu einem Warnenden vor dem Ende der Menschheit und der Zerstörung der Erde durch den Menschen selbst. In einem der Verse lässt er Gott und Teufel aus Angst vor dem Aschekönig Mensch Hand in Hand fliehen. Mit dem 103. Vers, nach mehr als 24 Jahren Reise durch das All, beendet der Erzähler die Geschichte mit den Worten:

„Und fünfzehntausend Jahre lang, der Leier zu,
zog der Goldonder ohne Aufenthalt,
gebettet Menschen, Dinge drin zur letzten Ruh,
verdorrte Pflanzen auch aus Doris’ Wald.“

Nach dem Schlussapplaus brauchte es erst eins, dann noch ein zweites fröhliches Lied aus dem Repertoire von Joachim Coch, damit die Gespräche im Nachgang wieder in positivere Fahrwasser kamen. Für alle Anwesenden war es eine ergreifende Geschichte einer vielleicht nicht mehr allzu fernen Zukunft. Heute aber, so waren sich am Ende alle einig, sei es noch nicht so weit. Ein Grund mehr, dieses Leben auf der Erde, diesem kleinen, blassen blauen Punkt mitten im Universum zu feiern.

Mehr zu Joachim Coch.

Dirk Karls „Poetische Reise durch Europa“ am 27.03.2026

Über Stock und Stein quer durch Europa

Tausende Kilometer quer über den Kontinent legt man nur selten in zwei Stunden zurück. Bei der „Poetischen Reise durch Europa“ im Blickpunkt Boxberg Ende März war genau das jedoch möglich. Dafür brauchte niemand einen Privatjet oder Siebenmeilenstiefel: Die Reiseleiter Dirk Karl und Dietmar Schlager genügten vollkommen. Die Mitreisenden konnten sich entspannt zurücklehnen und die vier Stationen dieser besonderen Reise genießen.

Besonders war sie deshalb, weil gleich drei Künstler den Reiseverlauf in Wort, Bild und Musik vorbereitet hatten. Grundlage waren die zahlreichen Gedichte von Dirk Karl, die beim Reisen entstehen – gleichsam als literarischer Fußabdruck. Pianist Dietmar Schlager und Fotokünstler Art Selbach ergänzten diese Texte um musikalische und visuelle Eindrücke.

Die Reise begann in Albanien, begleitet von kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern. Anschließend führte Dirk Karl, den Hirtenstock in der Hand, die Reisegruppe durch die farbenfrohen Eindrücke des Jakobswegs. Die dritte Station war Mallorca. Dort sprach der Autor – mit einem Cocktailglas in der Hand – über Geschichte und Landschaft der zauberhaften Insel, nahm aber auch das Verhalten deutscher Touristen kritisch in den Blick.

Immer wieder übernahm Dietmar Schlager den Vortrag einzelner Gedichte von Dirk Karl. Nach gut zwei Stunden erreichte die Reisegruppe schließlich Heidelberg, den letzten Halt der Reise. Begleitet von Robert Schumanns „Träumerei“ am Klavier wurde deutlich: Auch die eigene Stadt kann ein lohnendes Reiseziel sein. Art Selbachs Bilder wirkten dabei wie ein buntes Feuerwerk, Dirk Karls Gedanken taten ihr Übriges.

Am Ende blickte das Publikum auf eine Fülle von Eindrücken und Erlebnissen zurück. Fast fühlte es sich so an, als wäre man selbst durch die Straßen von Tirana, Santiago de Compostela oder Palma de Mallorca gewandert.

Mehr von Dietmar Schlager hier: https://www.dietmarschlager.com/

Mehr von Art Selbach gibt es im https://selbach.shop/.

Die Lesung fand im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt.

„Glasnovelle“ von Eckhart Ribbeck am 27.02.2026

Wie die Flaschen ins Leben kamen…

Was geschieht, wenn die Sammelleidenschaft eines Menschen jedes Maß übersteigt und zu einer Obsession wird, die alles andere verdrängt? Der Heidelberger Autor Eckhart Ribbeck warf im Blickpunkt Boxberg einen Blick auf die Charakteristik und Geschichte antiker Flaschen, während er die die fesselnde Entwicklung vom Interesses des Protagonisten über die Leidenschaft bis hin zur Obsession seinen Flaschen gegenüber beschrieb. Die in Auszügen erzählte Geschichte wurde mit KI-generierten Bildern visualisiert. Die nahmen das Publikum mit in die Karibik und die anderen Orte , die die Flaschen Ricardo Salazar in seinen wahnhaften Träumen erschienen. Am Ende … – nun, das soll hier nicht verraten werden. Wer mag, kann es in der Novelle selbst nachlesen.

Den musikalischen Rahmen legte Matthias Coenen als Klangteppich vor, zwischen und nach die Kapitel. Thematisch passend ließ er die Melodien bekannter Lieder zu einem Meeresrauschen klingen, sodass man sich schon auf den Segelschiffen in der Karibik wähnte, sobald man die Augen schloss.

Mehr zu Eckhart Ribbeck findet sich beim ZKM – Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe.

Mehr zu Matthias Coenen gibt’s auf seiner Webseite.

Mixtape 2026 am 31.01.2026

From Dusk till Dawn

Unter diesem Motto hatte Mika Barton im Januar zur „literatur auf dem boxberg“ eingeladen. Und wie schon die Jahre zuvor war hier Name Programm: Mixtape 2026! Jeder, der wollte, durfte kreativ mitmischen. Es waren diesmal die Gäste, die das Mixtape, mal spontan, mal geplant, aber immer überraschend und mit viel Engagement füllten. Nach jeder Darbietung durfte frei entschieden werden, wer nun auf der kleinen, aber feinen Bühne folgen sollte. Es galt die A-Seite und die B-Seite des Tapes zu bespielen. Und es war alles andere als Bandsalat, was da gemixt wurde, sondern es wurde ein wunderbares, abwechslungsreiches und anrührendes Potpourri aus Gedichten, Liedern, Lesungen und Musik. So entstand im Bild einer längst verflossenen Aufnahmetechnik ein veritables Gesamtkunstwerk.

Mit seinem Gedicht „Nie wieder“ und dem Lied „Mensch“ von Ton Steine Scherben setzte Mika den Ton. Es folgten Texte über Toleranz, das Finden der eigenen Identität und das Menschsein-an-sich in schwierigen Zeiten sowie den Verlust geliebter Menschen. Damit es dem Publikum nicht allzu schwer wurde, gab es zwischen den Beiträgen reichlich Livemusik. Von Interpretationen Astor Piazollas Tango über Musical-Themen bis Rockmusik von Aerosmith reichte die Bandbreite und beflügelte die Stimmung. Danach war kulinarische Pause angesagt fürs Wenden der Kassette und für die Möglichkeit zum Gespräch.

Seite B begann mit dem Duo Mika und Rikard aus Schweden. Sie lasen zwei Gedichte von Harry Martinson abwechselnd auf Deutsch und Schwedisch und zeigten damit die poetische Kraft der Lyrik über Sprachgrenzen hinweg.

Und weiter ging es mit der Erforschung der Condition Humaine. Mit Texten und Liedern zu den Fragen: „Jeder Mensch ist eine Insel“? Oder „Liebe ist alles“? Um dann zu erkennen: „Aber am größten ist die Liebe!“ A- und B-Seite des Mixtapes waren am Ende mit fast drei Stunden gut gefüllt. Ein poetischer Abend klang nachdenklich aus, der begleitet und abgerundet wurde durch die im Saal präsentierten Bilder und Grafiken aus den Reihen der Gäste. Wir freuen uns schon jetzt auf Mixtape 2027. (Frieder Kumm)

„Über den Fluss“ von Joscha Schaback am 21.11.2025

Eine Geschichte vom Tod und von der Liebe

Als Matthias Coenen dreimal hintereinander leise ein Glöckchen klingen ließ, war das Publikum im „Blickpunkt Boxberg“ längst tief in die Geschichte eingetaucht, die Joscha Schaback in seiner ganz eigenen Art bis hierhin vorangetrieben hatte. Großflächig wurden dabei die schwarzweißen Bleistiftzeichnungen von Marek Walczak an die Wand projiziert. Während das Glöckchen läutete, erschien passend dazu ein Grabstein an der Wand, der blütenumrankt den alten Zahnarzt Forate, Protagonist des Abends, Frieden finden ließ.

Eine Wendung in einer Geschichte, die surreal düster begonnen hatte und die an dieser Stelle das Publikum innerlich aufatmen ließ. Joscha Schaback las eine Strichfassung seiner im vergangenen Jahr erschienenen Novelle und nahm das Publikum wortwörtlich mit „über den Fluss“. Er ließ es die innere Trauer des Zahnarztes spüren, der seine Frau verloren hatte, und gleichzeitig die aufgeregte Hoffnung, die Forate bei der Bekanntschaft mit einer etwas sonderbaren, aber doch irgendwie vertrauten Patientin aufleben lässt.

Die musikalischen Einlagen von Matthias Coenen verbanden die Teile der Geschichte geschickt wie passend und führten die Gedanken der Zuhörenden leichterhand in der Handlung weiter, während die hell an die Wand geworfenen Zeichnungen die Stimmung der jeweiligen Abschnitte manifestierten.

Marek Walczak hatte Originalzeichnungen der projizierten Illustrationen auf Staffeleien im Veranstaltungsraum ausgestellt. Damit konnte man schon vor Beginn der Veranstaltung einen Eindruck der später spürbar werdenden intensiven Stimmung aufnehmen, während zu dem Zeitpunkt auf der Wand noch ein Video des nachtdunklen Neckars mit auf den Wellen tanzenden Lichtsplittern lief.

Anderthalb Stunden ließen sich die drei Künstler anschließend Zeit, um den „Blickpunkt Boxberg“ mit Text, Bild und Ton intensiv zu bespielen. Ein immersives Erlebnis, das fesselte und das nach einer kurzen Pause – um Luft zu holen und etwas zu trinken – zu einem angeregten Gespräch mit den Künstlern führte. Über verschiedene Interpretationen zu einzelnen Handlungssituationen wurde dabei diskutiert und Ideen dazu angestellt. Und da Joscha Schaback die Handlung sehr realistisch in die Umgebung am Neckar und anderen Teilen der Stadt Heidelberg eingebettet hat, musste natürlich auch die Frage geklärt werden, ob es den alten „Forate“ in Heidelberg wirklich gab. Zum Ende des Gesprächs wurde vom Publikum auch gedeutet, dass „Über den Fluss“ vor allem eine Liebesgeschichte sei, über das Verarbeiten von eigener Trauer und das Erkennen der Trauer anderer. Das Künstler-Trio, das schon öfter zusammengearbeitet hat, schaffte es an diesem Abend, das Publikum tief zu berühren.

Mit ausgestellten Illustrationen von Marek Walczak und musikalischer Begleitung durch Matthias Coenen (git).

Die Novelle „Über den Fluss“ ist hier erhältlich: https://www.brotundkunst.com/ueber-den-fluss
Brot & Kunst, Umfang: 96 Seiten, Preis: 15 EUR, ISBN: 978-3-949933-14-1

 

„Das Aber der Dinge“ von Inga Bachmann: am 06.11.2025

Liedermacherei und Poetry – ein Abend mit Inga Bachmann

Komm wir steigen aus dem Film aus und blinzeln ins Licht / die Szene, die sie heute drehen, braucht uns nicht / wir tauchen ins Meer, fliegen mit den Fischen / gar nichts ist schwer. (Das Aber der Dinge)

Inga Bachmann stellt sich dem Boxberg nicht nur wortgewaltig zum eigenen Beatbox-Rhythmus vor, sie entführt ihr Publikum vor allem schnell und leichtfüßig aus dem Alltag in ihre abwechslungsreiche und bunte Welt aus Liedern, Gedichten und Gedanken. Wer dabei war, erlebte am 06. November einen sehr persönlichen Abend im ‚Blickpunkt Boxberg‘, an dem die Künstlerin den Raum in die facettenreichen Farben ihrer Worte und Wortspiele tauchte.

‚Voll leiser Lyrik sind ihre Lieder‘, sagt die Kritik. ‚Sie selbst sei eine Meisterin der Wortschöpfungen und Nuancen.‘ Beides stellt sie in ihrem Programm ‚Das Aber der Dinge‘ abwechselnd auf Gitarre und Ukulele spielend leicht unter Beweis, wenn sie im nächsten Augenblick ins Sarkastische wechselt, dabei aber nie ins Negative fällt, gleichzeitig zum Nachdenken anregt und die Zuhörenden in die Selbstreflexion bringt. Alltagsgedanken wie zum friedfertigen Gemüseanbau wechseln sich mit kritischen Zeilen wie beim „Gesellschafstanz” ab, werden von Melodien einer tiefen Sehnsucht unterbrochen, nur um gleich danach einem tief aus dem Herzen zu sprechen, wie zum Beispiel bei ihrem Lied über den Laubbläserer im Herbst. Dazwischen platziert Inga Bachmann immer wieder geschickt Gedichte aus ihrem Lyrikband ‚Zwischen Räumen‘ und sie knüpft leichte Bande mit dem Publikum. Bereits früh in der ersten Hälfte ihres Programms bringt sie es dazu, mit ihr zusammen mitzusingen.

Während man in der Pause den ohrwurmtauglichen Refrain ‚Mir geht es gut, super gut‘ noch nachsummt und an den darauffolgenden, durchaus ernsteren, weil realistischeren Text der nächsten Strophe denkt, fällt einem ein, wie gut es uns wirklich an diesem nebligen Novemberabend im ‚Blickpunkt Boxberg‘ geht.

Nach gut zwei Stunden beendet Inga Bachmann mit Applaus und einer Zugabe ihr Programm. Die Zeilen des letzten Liedes klingen dabei wie eine Zusammenfassung dieses Abends hoch oben über den Dächern der Stadt nach:

Alles geben, dann loslassen / sich und alle anderen so lassen / sich mit allem fallen lassen / sich fangen und sich halten lassen / an verloren Geglaubtes glauben / Unvertrautem urvertrauen / ohne Punkt und ohne Komma fühlen / spielend allen Ernstes lieben

Mehr zu und von Inga Bachmann:

www.ingabachmann.de
www.instagram.com/ingabachmann.songpoetin/

Pressestimmen:
– „…eine Liedermacherin die man unbedingt hören muss“ (Musik Global)
– „erinnert in ihren Lyrics und Wortwitz an Busch und Erhardt“ (Badische Zeitung)
– „Ihre Stimme ist tief beeindruckend… Die Texte wechseln von zartbitter über derb bis sehnsüchtig-poetisch“ (Kulturmagazin O-Ton)
– ein „artistischer Tanz mit der Sprache“ (Rhein-Neckar-Zeitung) 

„gold der sêle ausgebracht als zu finisterrer nacht“ von belmonte am 26.03.2025

Minnesang, Folk und moderne Kontrafaktur

Bereits nach den ersten Takten, nachdem der Liederdichter belmonte – begleitet von seinem indischen Harmonium – begonnen hatte, den Gemeindesaal stimmgewaltig zu füllen, ahnte das Publikum, dass dies ein besonderer Abend werden würde.

belmonte nahm die Anwesenden in den darauffolgenden zwei Stunden mit auf eine 800 Jahre umfassende Reise quer über die nördliche Hemisphäre. Vom Mittelhochdeutsch eines Walter von der Vogelweide über die provenzalischen Troubadoure und nordfranzösischen Trouvères und die Gesänge der mittelitalienischen Bettelmönche endete der erste Teil des Abends mit dem bekannten amerikanischen Folk- und Gospelsong „The Wayfaring Stranger“.

Das Harmonium, das belmonte selbst vor vielen Jahren aus Indien mitgebracht hat, blieb auch im zweiten Teil sein einziges Begleitinstrument, während er seine Liederreise über Skandinavien, Irland („Johnny I Hardly Knew Ya“) und England fortsetzte.  Dabei sang er Kontrafakturen (wörtlich „Fälschungen“), also Variationen von historischen Liedern, bei denen er zum Teil neue und eigene Texte nutzte. Nach einem nochmaligen Ausflug mit dem Folksong „Oh Shenandoah“ ins Amerika des 19. Jahrhundert kehrte belmonte mit seinen beiden letzten Liedern „Anna Reider ist tot“ und einer Variation von Hölderlins Schicksalslied in die Neuzeit, genauer in die 2020er Jahre nach Deutschland zurück.

In beeindruckender Weise ließ belmonte im Laufe dieses lehrreichen und genussvollen Abends die Zusammenhänge der musikalischen Entwicklung in Europa vom arabischen Kulturraum bis nach Amerika hörbar werden.

„Das Ende naht! Doch der letzte Vorhang klemmt noch“ am 08.03.2025

„Auf dem Zentralfriedhof ist Stimmung…“

Bereits mit ihrem ersten Programm „Lasst Euch nicht verführen!“ im Brecht-Jahr 2023 hatte die damals gerade neu gegründete Literaturgruppe Boxberg/Kleingemünd es geschafft, dass der Gemeindesaal der Lukasgemeinde bis auf den letzten Stuhl gefüllt war. Am 08. März 2025 luden Hedy Auer-Holleber, Mika Barton, Holly Holleber, Siggi und Friedemann Püschel nun zu ihrem neuen Programm ein. Und auch diesmal war jeder Platz im Saal besetzt.

In dem zweistündigen Programm sangen und sprachen sich die fünf AkteurInnen durch eine rasant gehaltene Revue rund um die beste Lebenszeit – das Alter. „ …das am besten gepaart mit Weisheit kommt, aber nicht muss.“

Garniert mit treffenden Zitaten touchierten sie das Thema erst ganz allgemein, dann die Liebe in späteren Jahren, das Umkreisen der Lebensziele, die nachlassende Gesundheit und am Ende das Unausweichliche: die Konfrontation mit dem Tod. Woody Allan sagte: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich möchte nur nicht dabei sein, wenn es passiert.“

Von Andreas Gryphius über Kurt Tucholsky, Mascha Kaléko, Reinhard Mey, Hildegard Knef, Robert Gernhardt, Nora Gomringer bis zu Wolfgang Ambros und noch einigen anderen reichte das Portfolio. Zusätzlich wurde zweimal gerappt, was die KI zum Thema „Alter“ ausgespuckt hatte. Kurz vor der Pause gab es mit „Schwaarzbrot“ noch einen Beitrag in schwäbischer Mundart.

Als zum Abschluss alle Wolfgang Ambros‘ großartigen Song „Es lebe der Zentralfriedhof“ sangen, brachte die Gruppe (mit Schwarzlicht) selbst ein paar Skelette und den Tod dazu mitzutanzen.

Die Gruppe bedankte sich für den anschließenden Applaus mit einem Lied von „Kapelle Petra“ und der Refrain umfasste noch einmal programmatisch die gerade vergangenen, sehr kurzweiligen Stunden:

„An irgendeinem Tag wird die Welt untergeh’n
Doch an allen andern Tagen halt nicht.
An irgendeinem Tag ist das alles vorbei,
Aber jetzt ist noch nicht Schicht.
Irgendwann geh’n irgendwie die Lichter aus
Und bis dahin machen wir das Beste draus.“

Pigeon Publishing „Alles Schreiben ist Intimität“ am 20.02.2025

„Mir tut es sehr gut, zu lesen und gemeinsam Literatur zu hören.“

Intimität als wesentlicher Bestandteil unseres Lebens – egal, in welcher Form, und ob angenehm oder unangenehm. Irgendwie scheinen wir im Alltag aber wenig sinnvolle Worte dafür zu finden und uns selten offen darüber auszutauschen. Für viele sind Schreiben oder Lesen Wege, sich mit dem auseinanderzusetzen, was uns schwer fällt zu sagen. Und bei allem Schreiben entsteht eine Intimität zwischen Text, Autor:in und (bestenfalls) Leser:innen. 

Mit Helmut Blepp, Jakob Burgi, Charlotte Döhrmann, Anne Richter & Jonas Spies waren gleich 5 Autor*innen aus Heidelberg und Mannheim auf den Boxberg gekommen. Alle verbindet, dass ihre Texte und Gedichte eine Heimat im noch jungen Heidelberger Onlinemagazins Pigeon Publishing gefunden haben. Sie widmeten sich gemeinsam dem Thema des Abends aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. In jeder aber ganz persönlich, verletzlich und letztendlich mit einem intimen Blick des Publikums in ihre Gedanken. Begleitet wurden sie dabei von den sphärischen Klängen von nikbru , der eigens für diesen Abend aus Bochum angereist war und mit seiner Musik das Publikum auf eine noch einmal ganz andere Reise mitnahm.

Die Abend endete nach einer kurzweiligen Diskussion zwischen den Autor*innen zum Thema Schreiben und Intimität mit großen Applaus der gut 40 Zuhörenden im Gemeindesaal.

Pigeon Publishing ist ein junges Magazin für Literatur & Kunst aus Heidelberg mit seinen Beiträgen über Themen wie kulturelles Trauma, Leben unter neoliberalem Kapitalismus, Feminismus und (politischer) Queerness. Immer irgendwo zwischen wütend und traurig. Einen Beitrag des Magazins über die Veranstaltung am 20.02. mit Zitaten der Autor*innen und mehr findet Ihr unter diesem hier.

Mixtape 2025 am 25.01.2025

Samstag, 25. Januar 2025

Wenn Texte und Gedichte an einem Abend in einem inhaltlich ungeplanten Programm – garniert mit guter Musik, Fotografien und Bildern – wild aufeinandertreffen, um zu einem runden Programm zu werden, dann klingt das zuallererst einmal nach einem Experiment.
Und das war es auch. Am Ende war klar, es war sogar ein äußerst gelungenes!

Mika Barton hatte am 25. Januar 2025 zum „Mixtape-Abend“ eingeladen und mehr als 40 Leute kamen in den „Blickpunkt Boxberg“, dem neuen Veranstaltungsraum des Stadtteilvereins Boxberg im Iduna-Center. Die Diskokugel drehte sich wie auch schon im vergangenen Jahr bereits früh am Abend, aber während beim „“ nahezu nur Mika Bartons eigene Texte und Gedichte aus den letzten 30 Jahren Programm waren, war die diesjährige Veranstaltung eine offene Bühne: Alle waren eingeladen, über die kulinarischen Beiträge zum Buffet hinaus, etwas zum Mixtape beizutragen.

Und so gab es Bildserien mit Fotografien aus der Antarktis und aus Berlin, an den Wänden hingen zu Gedichten gestaltete und gezeichnete Bilder und insgesamt neun Beitragende lasen selbstgeschriebene oder fremde Kurzgeschichten und Gedichte. Das Konzept ging auf: Umrahmt von den jazzigen Liedern im Stile Django Reinhardts der neu gegründeten ukrainisch-rumänisch-deutschen Band (noch ohne Namen) und den sehnsuchtsvollen, lebensbejahenden Liedern des Songwriters Joachim Coch entstand aus allen Zutaten ein unerwartetes und wunderbares Mixtape.

Nachdem die Nachtruhe im Iduna-Center längst angebrochen und alle Texte gelesen waren, drehte sich die Diskokugel noch lange über dem in Gesprächen vertieftem Publikum, das an diesem Abend selbst zu den Künstler*innen des Abends geworden war.